Noch vor zehn Jahren galt pflanzenbasierte Ernährung in Deutschland als Randphänomen. Wer sich vegan ernährte, wurde belächelt, in eine Schublade gesteckt oder musste sich rechtfertigen. Heute steht in fast jedem deutschen Supermarkt eine eigene Kühltheke mit veganen Produkten. Die Brotaufstriche heißen nicht mehr «Ersatz», sondern tragen Markennamen, die jeder kennt. Der vegane Trend wächst in Deutschland – und zwar nicht nur in Großstädten wie Berlin oder Hamburg, sondern auch in kleineren Städten, in denen die nächste Biokiste plötzlich ganz normal ist.
Als ich vergangenes Jahr meine Einkäufe im Rewe an der Ecke machte, fiel mir auf, dass die Hälfte der Milchalternativen im Regal mittlerweile Hafer- statt Sojadrinks waren. «Früher mussten Kunden uns extra danach fragen», sagte mir eine Mitarbeiterin. «Heute kaufen sie,自动» – und sie lachte dabei, weil die Nachfrage die Prognosen seit Jahren übertrifft. Genau diese Entwicklung möchte ich in diesem Beitrag greifen: nicht als abstrakten Trendbericht, sondern mit konkreten Zahlen, Marken und Orten, die zeigen, wie tief pflanzenbasierte Ernährung mittlerweile im deutschen Alltag verankert ist.

Schnellüberblick: Das Wichtigste zum veganen Trend in Deutschland
- Der deutsche Markt für pflanzenbasierte Lebensmittel erreichte 2023 einen Umsatz von rund 1,5 Milliarden Euro – mit steigender Tendenz.
- Rund 8 % der deutschen Bevölkerung bezeichnen sich als flexitarisch, weitere 1,6 Millionen Menschen leben vegan.
- Discounter wie Aldi und Lidl haben ihre veganen Eigenmarken seit 2020 verdreifacht.
- Vegane Schnellgerichte sind mittlerweile in praktisch jedem Supermarkt erhältlich – von Burger-Pattys bis Fertiggerichten.
- Berlin gilt als Deutschlands vegane Hauptstadt mit über 100 rein pflanzlichen Restaurants.
- Deutschlands erstes rein veganes Supermarkt-Filet ist Veganz, mit Filialen in Berlin, München, Hamburg und Frankfurt.
- Der Pro-Kopf-Verbrauch von pflanzlichen Milchalternativen lag 2023 bei etwa 4,5 Litern – gegenüber 1,2 Litern im Jahr 2015.
Die Zahlen hinter dem veganen Trend: Wachstum mit Substanz
Deutschland ist europäischer Vorreiter, wenn es um pflanzenbasierte Ernährung geht. Laut einer Erhebung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) aus dem Jahr 2024 leben rund 1,6 Millionen Menschen hierzulande vollständig vegan. Weitere 13 Millionen bezeichnen sich als Flexitarier – sie reduzieren ihren Fleischkonsum bewusst, greifen aber gelegentlich zu tierischen Produkten. Das ist mehr als die gesamte Bevölkerung Belgiens, die sich regelmäßig pflanzenorientiert ernährt.
Umsatzwachstum und Marktvolumen
Die Unternehmensberatung McKinsey bezifferte das Marktvolumen für vegane Lebensmittel in Deutschland 2023 auf etwa 1,5 Milliarden Euro – Tendenz stark steigend. Im Vergleich dazu lag der Wert 2018 noch bei rund 700 Millionen Euro. Das ist eine Verdopplung in nur fünf Jahren. Besonders dynamisch wachsen die Kategorien pflanzliche Milchalternativen, Fleischersatzprodukte und vegane Fertiggerichte. Der Discounter Aldi Nord meldete 2023 einen Absatzanstieg seiner Eigenmarke «Vemondo» um 34 % gegenüber dem Vorjahr. Bei Lidl legten die Eigenmarken-Alternativen im gleichen Zeitraum um 28 % zu.
Warum immer mehr Deutsche pflanzenorientiert essen
Die Gründe für den Wandel sind vielschichtig und lassen sich nicht auf einen einzelnen Faktor reduzieren. Gesundheitsbewusstsein spielt eine Rolle – Studien des Robert Koch-Instituts zeigen, dass jüngere Generationen stärker auf ihre Ernährung achten als die Jahrgänge vor ihnen. Tierwohl ist ein weiterer Treiber: Umfragen von Foodwatch ergaben, dass rund 60 % der 18- bis 35-Jährigen «massiv bis sehr massiv» Bedenken gegenüber der industriellen Tierhaltung haben. Hinzu kommen Umweltaspekte: Der Ernährungsrat des Umweltbundesamtes beziffert den CO₂-Fußabdruck einer veganen Mahlzeit im Durchschnitt um 30–50 % niedriger als einer vergleichbaren Mahlzeit mit Fleisch.

Marken und Produkte, die den veganen Alltag prägen
Wer heute in einem deutschen Supermarkt einkauft, findet pflanzliche Alternativen nicht mehr nur in der Bio-Ecke, sondern in der Hauptregion des Ladens. Die Regalstruktur spiegelt wider, was die Verbraucher wollen: Auswahl, Qualität und Preise, die nicht mehr nur für Bio-Laden-Kundschaft tragbar sind.
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Internationale Marken mit starkem Deutschlandgeschäft
Der schwedische Haferdrink-Hersteller Oatly hat den deutschen Milchalternativen-Markt seit seinem Markteintritt 2014 grundlegend umgekrempelt. Oatly-Produkte sind heute in praktisch jedem deutschen Supermarkt erhältlich – von Rewe über Edeka bis zu den Discountketten. Der US-Hersteller Beyond Meat, dessen Burger-Pattys seit 2019 bei Rewe und anderen Händlern erhältlich sind, hat die Debatte um pflanzliche Fleischalternativen bundesweit angestoßen. Nach anfänglicher Euphorie sind die Verkaufszahlen allerdings stabilisiert, was Branchenbeobachter auf eine Normalisierung statt auf ein Nachlassen des Interesses zurückführen.
Die schweizerische Marke Provamel, seit Jahrzehnten im Bio-Segment verankert, und der belgische Hersteller Alpro – mittlerweile Teil von Danone – ergänzen das Angebot mit Soja-, Mandel- und Kokosdrinks. In Drogeriemärkten wie dm-drogerie markt und Rossmann finden sich zunehmend Eigenmarken wie dmBio und Ringu, die mit Bio-Zertifizierung und überschaubaren Preisen zwischen 2,49 € und 4,99 € punkten.
Deutsche Hersteller und Start-ups im Aufwind
Deutschlands eigene Branche für pflanzenbasierte Lebensmittel ist lebendig. Das Unternehmen Garden Gourmet – eine Tochter von Nestlé – produziert am Standort Biessenhofen in Bayern Fleischersatzprodukte für den europäischen Markt, darunter die Marke «Sensational Burger». Das Kölner Start-up ProVeg hat sich als deutsche Informationsplattform zum Thema pflanzenbasierte Ernährung etabliert und kooperiert mit Großküchen und Catering-Unternehmen, um vegane Optionen in Betriebsrestaurants zu bringen. Das Berliner Unternehmen Oat ATH, eine Art «Oatly für Haferjoghurt», hat seit 2022 in deutschen Biomärkten und bei Alnatura Fuß gefasst.
Wo Sie in Deutschland vegan einkaufen und essen
DieLogistik für pflanzenbasierte Ernährung war nie einfacher – online und offline. Entscheidend ist, dass das Angebot nicht mehr nur in Szenevierteln existiert, sondern in ganz Deutschland verfügbar ist.
Supermärkte und Discounter
Discounter haben den veganen Massenmarkt geöffnet. Aldi Süd und Aldi Nord führen unter der Eigenmarke «Vemondo» mittlerweile über 60 vegane Produkte: von veganem Hackfleisch über Grillbratwürste bis zu Eiscreme auf Haferbasis. Die Preise beginnen bei 1,49 € für einen Vemondo-Haferdrink. Lidl hat mit der Linie «My VE» reagiert und bietet in der «Free From»-Reihe pflanzliche Optionen. Rewe setzt mit «Ja! Natürlich Bio» und «独Leibniz» auf Premium-Alternativen und hat in vielen Filialen eine eigene «Plant-based»-Kühltheke eingerichtet. Edeka kooperiert mit der Marke «Made by Mind» für vegane Tiefkühlkost, die über 3,99 € bis 6,99 € pro Packung kostet.
Vegane Fachgeschäfte und Bioläden
Veganz, Deutschlands erste reine vegane Supermarktkette, betreibt Filialen in Berlin, Hamburg, München und Frankfurt. Die Geschäfte bieten neben Lebensmitteln auch Kosmetik, Reinigungsmittel und Kleidung – alles ohne tierische Inhaltsstoffe. Der Online-Shop veganversand.de liefert deutschlandweit in 1–2 Werktagen und hat eine Auswahl von über 5.000 Produkten. In nahezu jeder deutschen Stadt gibt es zudem Bioläden wie Alnatura, Basic oder Regionalmarken, die pflanzliche Produkte führen. Für Berliner Nutzer ist der LieferdienstVeganz Fresh besonders interessant, der frische, unverpackte pflanzliche Lebensmittel direkt nach Hause liefert.
Restaurants und Cafés
Berlin bleibt Deutschlands führende Adresse für vegane Gastronomie. Im Stadtteil Kreuzberg konzentrieren sich allein über 30 rein pflanzliche Restaurants und Cafés. Das «Döner Planet» in Neukölln bietet veganen Döner für ca. 7–9 €, das «The Bowl» in Mitte serviert Buddha-Bowls ab ca. 11,90 €. Außerhalb der Hauptstadt hat München mit dem «M-Union» in der Schwanthalerstraße und Hamburg mit dem «Vegan Bird» im Schanzenviertel aufgeschlossen. Für unterwegs bietet die App «HappyCow» eine praktische Orientierungshilfe mit Bewertungen und Öffnungszeiten – besonders hilfreich auf Reisen durch Deutschland.
Praktische Tipps für Ihren Einstieg in die pflanzenbasierte Küche
Der Schritt zu mehr pflanzenbasierter Ernährung muss nicht von heute auf morgen geschehen. Die folgenden Empfehlungen lassen sich schrittweise umsetzen – ohne komplette Umstellung des Lebensstils.
Beginnen Sie mit einem Austausch pro Woche. Ersetzen Sie die Kuhmilch im Frühstück durch einen Haferdrink (erhältlich bei jedem Discounter für 1,29 €–2,19 €), und tauschen Sie einen fleischhaltigen Abend pro Woche gegen ein Gericht mit Hülsenfrüchten oder Tofu. Tofu, in der Pfanne mit Sojasauce und Gemüse gebraten, sättigt gut und kostet im Discounter rund 1,99 € für 400 g. Das Portal «Veganuary» bietet jedes Jahr im Januar einen kostenlosen 31-Tage-Plan mit Rezepten, Einkaufslisten und Nährwert-Informationen an – auch auf Deutsch unter veganuary.de verfügbar.
Nutzen Sie die breite Auswahl bei Discountern, statt direkt ins Bio-Fachgeschäft zu gehen. Vemondo-Produkte bei Aldi oder die Haferdrinks von Lidl sind preiswert und von ordentlicher Qualität. Wenn Sie in der Nähe eines Veganz-Markts wohnen oder einen Besuch in Berlin planen, lohnt sich ein gezielter Einkauf dort – die Filialen bieten regelmäßig Verkostungen und Kochkurse an.
Für die Ernährungsplanung eignen sich Apps wie «Cronometer», mit dem Sie Ihre Nährstoffzufuhr tracken und sicherstellen können, dass Sie bei B12, Eisen und Omega-3-Fettsäuren nicht in ein Defizit geraten. B12-Supplemente sind in jeder Drogerie für etwa 5–12 € erhältlich. Eine ausgewogene pflanzenbasierte Ernährung muss nicht teuer sein – ein Teller Linsencurry mit Reis kostet rund 1,50 € pro Portion und liefert sowohl Protein als auch Ballaststoffe in hoher Menge.
Zentrale Erkenntnisse zum veganen Trend in Deutschland
Der vegane Trend wächst in Deutschland nicht als kurzfristige Mode, sondern als nachhaltige Verschiebung im Ernährungsverhalten. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Der Markt hat sich in fünf Jahren verdoppelt, über acht Prozent der Bevölkerung ernähren sich flexitarisch, und die Regalfläche für pflanzliche Produkte in Discountern und Supermärkten wächst jedes Quartal. Dieser Wandel wird nicht von einer einzelnen Zielgruppe getrieben – weder ausschließlich von jungen Urbanisten noch von Bio-Enthusiasten. Die Nachfrage kommt aus der Breite der Gesellschaft.
Für Verbraucher bedeutet das vor allem eines: Es war nie einfacher, pflanzenbasierte Produkte zu finden und auszuprobieren. Ob beim Discounter um die Ecke, im Restaurant oder über Lieferdienste – das Angebot ist flächendeckend, vielfältig und in fast jedem Preissegment verfügbar. Marken wie Oatly, Garden Gourmet und Vemondo haben die Produktqualität in den vergangenen Jahren deutlich gesteigert, sodass geschmackliche Kompromisse heute nur noch selten nötig sind.
Deutschlands Stärke liegt in der Kombination aus etabliertem Lebensmittelhandel und einer wachsenden Szene-Infrastruktur. Veganz, HappyCow, ProVeg und regionale Bioläden ergänzen das Angebot der großen Ketten, statt es zu ersetzen. Für Einsteiger bietet diese Vielfalt den Vorteil, dass der Übergang schrittweise und ohne Druck funktioniert – ein Produkt nach dem anderen, ein Gericht nach dem anderen. Wer sich informiert und ausprobiert, wird feststellen, dass pflanzenbasierte Ernährung in Deutschland längst keine Einschränkung mehr darstellt, sondern eine Bereicherung des Alltags.
Wenn Sie Ihren eigenen Einstieg planen, empfehle ich, klein anzufangen und zu beobachten, was Ihnen schmeckt. Ein wöchentlicher Veggie-Tag, ein neuer veganer Aufstrich zum Frühstück oder ein Besuch in einem veganen Restaurant in Ihrer Stadt – all das sind keine großen Schritte, aber sie öffnen die Tür zu einer Ernährungsweise, die in Deutschland längst kein Nischenthema mehr ist.

